Entspannt am Ferienort ankommen? – Für viele Flugreisenden längst mehr romantische gehegter Wunsch, denn Realität. Die Warteschlange am Check-in-Schalter. Schwierigkeiten bei der Security-Kontrolle. Und das bange Hoffen, den Flug nicht zu verpassen.

Umso unerfreulicher, wenn der gebuchte Flug auch noch Verspätung hat. Erst recht, wenn dadurch der Anschlussflug nicht mehr erreicht wird. So geschehen einem deutschen Reisenden auf dem Weg nach Athen. Dieser war in Belgrad gestrandet, und musste einen ganzen Tag auf den nächsten Flug warten. Doch unter welchen Voraussetzungen hat der Reisende Anspruch auf Entschädigung bei verpasstem Anschlussflug?

Verspätung bei Mittelstreckenflügen erst ab 3 Stunden

Wann eine zur Entschädigung berechtigende Verspätung vorliegt, regelt die europäischen Fluggastrechteverordnung. Demnach liegt bei Flügen mit einer Distanz von 1.500 bis 3.500 km eine Verspätung erst vor, wenn der Flug 3 Stunden später am Ziel eintrifft. Dies gilt auch dann, wenn das zu erreichende Ziel über direkte Anschlussflüge erreicht werden soll.

Für die Dauer der Verspätung ist die insgesamt benötigte Reisezeit entscheidend. Wenn also die Verzögerung auf der ersten Teilstrecke noch keine Verspätung nach der Fluggastrechteverordnung beinhaltet, die Ankunftszeit am Zielort aber erst 11 Stunden später erfolgte, besteht dennoch ein Anspruch auf Ausgleich. Der Europäische Gerichtshof, hatte im Sinne eines Reisenden, der von Bremen über Paris und Sao Paulo nach Asuncion wollte geurteilt. (vgl. EuGH, Urt. v. 26.02.2013 – C-11/11)

In dem Fall des Reisenden nach Athen hat der Bundesgerichtshof nun geurteilt, dass die Ausgleichspflicht auch dann besteht, wenn der Anschlussflug von einem Flugunternehmen mit Sitz außerhalb der EU erbracht wird. Dies hat der BGH jedenfalls für den Fall bejaht, dass die Flüge einheitlich gebucht wurden. Das Flugunternehmen, dass sich zur Durchführung des Anschlussfluges der Dienste eines anderen Flugunternehmens bedient, soll nicht besser gestellt sein, als hätte es den Flug ohne Zwischenstopp, als Non-Stop-Verbindung erbracht. Das Flugunternehmen ist verpflichtet, die vorgeschriebene Ausgleichszahlung zu zahlen.

Kostenfreie Schlichtungsstelle für Entschädigungen

Weigert sich die Fluggesellschaft, die Entschädigung zu zahlen, können sich Reisende kostenfrei an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr wenden. (www.soep-online.de) Daneben findet man im Internet verschieden Portale, die gegen ein bestimmtes Honorar (in der Regel 25 % bis 50 % des Ausgleichsanspruchs) eine Sofortentschädigung zahlen. Eine Übersicht finden Sie hier.

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