Nach § 153 VVG (Versicherungsvertragsgesetz) steht Kunden einer Lebensversicherung eine Beteiligung an dem Überschuss und den Bewertungsreserven zu. Doch was genau ist eine Überschussbeteiligung?

Überschüsse bzw. Kostengewinne

Eine Versicherung ist so kalkuliert, dass die im Geschäftsbetrieb anfallenden Kosten aus den Beitragszahlungen abgedeckt werden. Im Vertrieb müssen Vermittlerprovisionen und Marketing-Budgets eingeplant werden. Verwaltungskosten decken Gehälter der Mitarbeiter und Büroorganisation. Hierzu kommen Risikokosten. Eine Zusammenfassung über die Kosten in der Lebensversicherung finden Sie hier.

Diese Kosten fallen meist erst in der Zukunft an, und unterliegen daher gewissen Schwankungen. Beispielsweise sind die Risikokosten daran gebunden, wie viele Versicherungsnehmer in einem bestimmten Jahr versterben. Liegt die tatsächlich Sterberate über dem statistischen Durchschnitt, muss der Versicherer dennoch die Versicherungssummen auszahlen.

Um für solche Schwankungen gerüstet zu sein, werden die Kosten stets höher angesetzt. So entstehen zwangsläufig „Kostengewinne“ bzw. Überschüsse.

Bewertungsreserven

Die deutschen Lebensversicherer verwalten über 900 Mrd. € an Kapitalanlagen. Diese bilden das Deckungskapital der klassischen Lebensversicherung. Dabei wird in risikoarme Anlagen, wie festverzinsliche Wertpapiere oder Immobilien investiert.

Es gelten die kaufmännischen Bewertungsvorschriften. Gewinne können in der Bilanz nur dann als solche verbucht werden, wenn beispielsweise eine Immobilie für einen höheren Wert verkauft wird. Nachdem gerade der Immobilienmarkt in den letzten Jahren einen rasanten Anstieg verzeichnen konnte, sind die gehaltenen Investitionen meist mehr wert, als in der jeweiligen Bilanz ausgewiesen. Man spricht insofern von „Bewertungsreserven“, da diese noch keinen Niederschlag in der Nettoverzinsung gefunden haben.

„Überschussbeteiligung“

§ 153 VVG fasst die Kostengewinne (Überschuss) und Bewertungsreserven gemeinsam unter den Begriff „Überschussbeteiligung“. Hieran sind die Kunden einer Lebensversicherung zu beteiligen:

Dem Versicherungsnehmer steht eine Beteiligung an dem Überschuss und an den Bewertungsreserven (Überschussbeteiligung) zu, es sei denn, die Überschussbeteiligung ist durch ausdrückliche Vereinbarung ausgeschlossen; die Überschussbeteiligung kann nur insgesamt ausgeschlossen werden.
§ 153 Abs. 1 VVG

Der Vorstand legt jährlich zusammen mit dem verantwortlichem Aktuar der Versicherung die Höhe der Überschussbeteiligung fest. Nach einem bestimmten Verfahren wird ermittelt, in welcher Höhe eine Gutschrift auf die einzelnen Versicherungsverträge erfolgt.

Die so festgelegte Beteiligung kann jährlich auf den Versicherungsvertrag gutgeschrieben werden, sprich „laufende Überschussbeteiligung“ – Oder teilweise von der Versicherung zurückgestellt werden. Diese RfB („Rückstellungen für Beitragsrückerstattung“) müssen bei Beendigung des Vertrages ausgezahlt werden. Man spricht von „Schluss-Überschussbeteiligung“, oft liest man auch Schlussbonus oder Ablaufbonus.

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