Lebensversicherung

Wieso Verzinsung in der Lebensversicherung nicht gleich Zins auf die gezahlten Beiträge ist. Erfahren Sie auch, was es mit Überschussbeteiligung und Nettoverzinsung auf sich hat.

Formen der Lebensversicherung

Kapitallebensversicheurng

Kapital-Lebensversicherung: Die kapitalbildende Lebensversicherung enthält zwei Komponenten: Zum einen verspricht die Kapitallebensversicherung eine bestimmte Geldleistung bei Ableben der versicherten Person (Todesfallleistung). Zum anderen beinhaltet die Kapitallebensversicherung eine Kapitalanlage. Diese kommt zur Auszahlung, sofern die Versicherung abläuft, ohne dass der Versicherungsfall eingetreten ist.

Lebensversicherung

Risiko-Lebensversicherung: Im Gegensatz zur Kapital-Lebensversicherung enthält die Risikolebensversicherung keine Kapitalanlage. Die Beiträge werden alleine zur Risikoabsicherung verwendet. dadurch ist die Risikolebensversicherung deutlich günstiger, beinhaltet aber keine Ablaufleistung.

Rentenversicherung

Rentenversicherung: Im Gegensatz zur Lebensversicherung beinhaltet die Rentenversicherung keinen oder nur einen kleinen Todesfallschutz. Erreicht die versicherte Person das Rentenalter, kommt die Rentenversicherung entweder als Kapitalabfindung oder als monatliche Rente zur Auszahlung.

Berufsunfähigkeitszusatzversicheurung BUZ BU-Schutz berufsunfähigkeitsversicherung

Zusatzversicherungen: In eine Lebensversicherung können Zusatzversicherungen, wie eine z.B. eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung einbezogen werden. Bei Eintritt der Berufsunfähigkeit übernimmt der Versicherer dann zusätzlich die Beiträge für die Lebensversicherung (Beitragsbefreiung) oder auch eine monatliche Berufsunfähigkeitsrente. Lebensversicherungen mit BU-Schutz sind deutlich teurer, als reine Lebensversicherungen.

Lebensversicherungsmarkt in Deutschland

84 Mio Lebensversicherungsverträge werden derzeit in Deutschland verwaltet. Damit kommt auf jeden Bundesbürger statistisch mehr als ein Lebens- bzw. Rentenversicherungsvertrag. Dabei ist die Zahl der Kapitallebensversicherungen seit der Jahrtausendwende rückläufig, während immer mehr Rentenversicherungen verkauft werden.

Eine Auswertung der Geschäftsberichte der größten Lebensversicherer in Deutschland zeigt: Platzhirsch unter den deutschen Lebensversicherern ist die Allianz Lebensversicherungs-AG mit einem Kapitalanlagenbestand von 217 Mrd. € (Stand 2018). Insgesamt verwalten die Lebensversicherer ein Vermögen von 909 Mrd. € (Quelle: www.gdv.de; Stand 2017)

Lebensversicherer nach Kapitalanlagebestand

Kostenquoten deutscher Lebensversicherer

Ob sich eine abgeschlossene Kapitallebensversicherung auszahlt, ist abhängig von der Verzinsung, aber auch von der Beitragsverwendung. Nur ein Teil der Beiträge, die der Versicherungsnehmer einzahlt werden auch verzinst. Dieser „Sparbeitrag“ ist der Anteil, der nach Abzug aller Kosten verbleibt. Aus ihm wird das Deckungskapital gebildet, welches schließlich verzinst wird.

Beitragsverwendung Lebensversicherung

Die Grafik zeigt schematisch die Beitragsverwendung einer Lebensversicherung. Die geleisteten Beiträge gliedern sich neben dem Sparbeitrag in folgende Kosten auf:

  • Verwaltungskosten: Beschreibt die Kosten, die für die Verwaltung des Versicherungsunternehmens anfallen. Laut gdv.de betrugen diese im jahr 2017 durchschnittlich 2,3 % der Beitragszahlung.
  • Abschlusskosten: hierzu zählen Provisionen, die für die Vermittlung des Versicherungsvertrages an Makler ausgezahlt werden, sowie „interne Abschlusskosten“. Laut gdv.de machen Abschlusskosten im Schnitt 4,7 % der Bruttobeitragssumme (entspricht in der Regel der Versicherungssumme) aus. Die Abschlusskosten werden üblicherweise über die ersten 5 Versicherungsjahre verteilt (Zillmerung).
  • Risikokosten: Zur Deckung der anfallenden Versicherungsleistungen im Versicherungsunternehmen, wird jeder Lebensversicherungsvertrag mit Risikokosten belastet. Die Höhe der Risikokosten richten sich zum einen nach der versicherten Leistung (Todesfallleistung, andere versicherte Leistungen, wie BU-Rente o.a.). Zum anderen ist deren Höhe von der Eintrittswahrscheinlichkeit des Versicherungsfalles (d.h. ein 80-jähriger wird zu einem größeren Teil an Risikokosten beteiligt werden, als ein 20-jähriger).

Abschluss- Verwaltungs- und Risikokosten werden direkt von den Beitragszahlungen in Abzug gebracht. Sie sind von Versicherungsunternehmen zu Versicheurngsunternehmen unterschiedlich. Eine niedrigere Kostenquote, bedeutet eine höhere die Investition in Kapitalanlagen. Mehr zur Bedeutung und Berechnung der Kostenquoten lesen Sie in diesem Beitrag.

Wie sich zeigt, können neben Allianz Lebensversicherung und Debeka Lebensversicherung vor allem Direktversicherer mit einer günstigen Kostenquote aufwarten. Hannoversche (VHV) und CosmosDirekt kommen ohne große Vertriebsnetze aus, und geben so Kostenvorteile direkt an die Versicherungsnehmer weiter.

Kostenquote Lebensversicherungen
Die Übersicht zeigt die in den Geschäftsberichten (2018; Heidelberger Leben und Debeka Lebensversicherung 2017) angegebenen Abschlusskosten und Verwaltungskosten.

Nettoverzinsung bei der klassischen Lebensversicherung

Nicht nur die Höhe der Kosten ist für die Bewertung eines Versicherungstarifs entscheidend – auch die Wertentwicklung spielt eine wichtige Rolle. Hierbei sollte man sich aber nicht auf die Musterberechnungen des Anbieters verlassen. Die meisten der angegebenen Werte sind unverbindlich, und werden nur in wenigen Fällen tatsächlich erzielt.

Die Rendite einer klassischen Lebens- oder Rentenversicherung bestimmt sich nach der Nettoverzinsung der Kapitalanlagen. Diese Nettoverzinsung wird jährlich von den Versicherungsunternehmen festgelegt. Die nachfolgende Übersicht zeigt die Nettoverzinsung der letzten 3 Jahre:

Nettoverzinsung Lebensversicherungen

Fondsgebundene Lebensversicherung

Im Gegensatz zur klassischen kapitalbildenden Lebensversicherung, bei der das Sparvermögen von der Versicherungsgesellschaft verwaltet wird, investiert die fondsgebundene Lebensversicherung in Fondsanlagen. Die Wertentwicklung hängt bei der fondsgebundenen Lebensversicherung ganz davon ab, wie sich dieses Fondsvermögen entwickelt.

Jede Versicherungsgesellschaft bietet hierzu eine Auswahl an Fonds an. Hieraus kann der Versicherungsnehmer bei Beantragung der Versicherung auswählen. Später sind Änderungen der Fondszusammensetzung meist nur gegen Gebühr möglich.

Durch die Fondsanlage sind weit höhere Renditen möglich, als das mit einer klassischen Versicherung möglich wäre. Auf der anderen Seite steigt das Risiko des Wertverlustes. Die klassische Lebensversicherung eignet sich also für Sparer, die im Alter abgesichert sein möchten. Wohingegen eine fondsgebundene Versicherung Anleger zu empfehlen ist, die ein Risiko nicht scheuen.

Wertentwicklung bei der „britischen Lebensversicherung“

Eine Mischform bildet die sog. britische Lebensversicherung“. Anbieter wie Standard Life international D.A.C., Clerical Medical (Scottish Widows Europe S.A.) oder Canada Life managen eigene Fonds bzw. Pools, in die Gelder der Versicherungsnehmer investiert werden. Gleichzeitig wird bei sog. „with-profits“-Versicherungen garantiert, dass fallende Kurse nicht an die Versicherungsnehmer weitergegeben werden. Um dies zu gewährleisten, werden Kursgewinne in guten Zeiten nicht vollständig an Kunden weitergegeben. Durch diese „Glättung“ der Kurse werden Rücklagen gebildet, die Verluste bei fallenden Kursen ausgleichen sollen.

Die Versicherer Standard Life und Clerical Medical haben aufgrund des drohenden Brexits ihr Versicherungsgeschäft auf neue Gesellschaften mit Sitz in EU-Mitgliedsstaaten ausgegliedert. Damit soll sichergestellt sein, dass die Verträge auch nach dem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU weiterbetreut werden können.

Überschussbeteiligung und Bewertungsreserven

Welche Verträge sind „überschussberechtigt“?

Nach § 153 Abs. 1 VVG sind alle Lebensversicherungsverträge, die nach 2009 abgeschlossen wurden grundsätzlich an Überschüssen beteiligt. Nur durch ausdrückliche Vereinbarung kann die Überschussberechtigung ausgeschlossen werden. Doch was genau bedeutet „Überschussbeteiligung“ und wie profitiert der Versicherungsnehmer hiervon?

Wie entstehen Überschüsse?

Eine Versicherung ist so kalkuliert, dass im Geschäftsbetrieb anfallende Kosten aus den Beitragszahlungen abgedeckt werden. Im Vertrieb müssen Vermittlerprovisionen und Marketing-Budgets eingeplant werden. Verwaltungskosten decken Kosten der Mitarbeiter und Büroorganisation. Hierzu kommen Risikokosten.

Diese Kosten fallen meist erst in der Zukunft an, und unterliegen daher Schwankungen. Beispielsweise sind die Risikokosten daran gebunden, wie viele Versicherungsnehmer in einem bestimmten Jahr versterben. Liegt die tatsächlich Sterberate über dem statistischen Durchschnitt, muss der Versicherer dennoch die vollen Versicherungssummen auszahlen.

Um für solche Schwankungen gerüstet zu sein, werden die Kosten stets höher angesetzt. So entstehen zwangsläufig „Kostengewinne“ bzw. Überschüsse.

Daneben können Überschüsse dadurch entstehen, dass höhere Gewinne erwirtschaftet werden, als vertraglich zugesagt wurden. Diese Gewinne werden dann nicht dem einzelnen Vertrag über die Verzinsung gutgeschrieben, sondern wandern ebenfalls in die Überschussbeteiligung.

Über die im laufenden Betrieb erwirtschafteten Überschüssen darf der Versicherer nur begrenzt frei verfügen. Die Mindestzuführungsverordnung (MindZV) regelt insofern, dass über einen Teil der Überschussbeteiligung Rückstellungen zu bilden sind.

Was sind Bewertungsreserven?

Nach kaufmännischen Grundsätzen müssen Wertanlagen, wie Aktien oder Immobilien vorsichtig bewertet werden. Gewinne werden erst realisiert, wenn Anlageobjekte tatsächlich verkauft werden. Doch nach den Wertsteigerungen bei Immobilien, spiegeln die Buchwerte den tatsächlichen Wert nicht korrekt wieder. Daher muss der Versicherer den einzelnen Versicherungsvertrag nach den gesetzlichen Vorgaben auch an den höheren Werten beteiligen. Man spricht insofern von Bewertungsreserven.

Wie wird der Versicherungsnehmer an Überschüssen beteiligt?

Überschussbeteiligung und Bewertungsreserven müssen dem Versicherungsnehmer gutgeschrieben werden. Oft wird die Überschussbeteiligung als sog. „Schlussbonus“ bei Ablauf der Versicherung ausgezahlt. Manche Versicherer schreiben die Überschussbeteiligung aber auch laufend auf den einzelnen Lebensversicherungsvertrag gut.

Weitere Infos zur Überschussbeteiligung, und Bewertungsreserven lesen Sie hier.

Risikokosten

Den größten Marktenteil in Deutschland hat nach wie vor die Kapital-Lebensversicherung mit über 30 Millionen bestehenden Verträgen. Als reine Risikoversicherung werden ca. 16 Millionen Verträge geführt (Stand 2017; Quelle: www.gdv.de).

Eine Kapital-Versicherung bietet den Vorteil, dass die gezahlten Beiträge in einen Deckungsstock bzw. „Deckungskapital“ investiert werden. Das Deckungskapital entwickelt sich bei der klassischen Versicherung mit der Nettoverzinsung, bei der fondsgebundenen entsprechend den Aktienkursen. Aus dem angesparten Kapital finanziert sich der Rückkaufswert, also der Betrag, den der Versicherungsnehmer bei Kündigung erhält.

Bei der reinen Risiko-Versicherung werden die Beiträge dagegen vollständig zur Deckung der Kosten des Versicherungsunternehmens verwendet, insbesondere also für die Todesfallleistung. Es wird kein Deckungskapital aufgebaut, somit fallen die Beiträge günstiger aus. Allerdings führt die Kündigung nur zu einer Beendigung des Vertrages, ohne Auszahlung.

Näheres zur Risikoabsicherung, sowie Vor- und Nachteile der Kapital-Lebensversicherung, lesen Sie hier.

Lebensversicherung vor Ablauf beenden

Ist die einst abgeschlossene Versicherung unrentabel, oder kann bzw. möchte man keine Beiträge mehr zahlen, stellt sich die Frage, wie man sich von dem Vertrag lösen kann.

Kündigung

Die einfachste Lösung – Kündigung der Versicherung – ist jedoch selten der sinnvollste Weg. Eine Kündigung sollte der Versicherungsnehmer dann in Erwägung, wenn er möglichst schnell eine Auszahlung des verbliebenen Deckungskapitals bezwecken möchte.

Beitragsfreistellung

Je länger der Abschluss der Versicherung zurückliegt, bzw. je näher der Ablauftermin rückt, umso mehr lohnt ein Antrag auf Beitragsfreistellung. Bei einer Beitragsfreistellung bleiben die neben dem Deckungskapital erworbenen Vorteile größtenteils erhalten. Beispielsweise versprechen die Versicherer oftmals eine Schluss-Überschussbeteiligung, wenn der Vertrag bis Ende durchgeführt wird.

Auf der anderen Seite „frisst“ auch eine beitragsfrei-gestellte Versicherung weiterhin Kosten. Diese müssen durch das bis dahin gebildete Deckungskapital finanziert werden. Damit schmilzt der Rückkaufswert kontinuierlich. Liegt der Ablaufzeitpunkt also noch in weiter Ferne, kann es durchaus vorkommen, dass der Wert der Versicherung über die Jahre auf Null fällt. Die Versicherung wird dann aufgelöst.

Lebensversicherung widerrufen

Wurde die Versicherung vor 2008 abgeschlossen, hilft in einigen Fälle ein „Widerruf“ weiter. Nicht selten enthalten alte Verträge formale oder inhaltliche Fehler in der Widerrufsbelehrung. Für solche Fälle hat der Bundesgerichtshof (BGH, Urt. v. 07.05.2014 – IV ZR 76/11) geurteilt, dass der Versicherungsnehmer noch Jahre später den Widerruf des Vertrages erklären kann.

Police verkaufen

Daneben gibt es auch gewerbliche Aufkäufer von Versicherungspolicen. Hier lohnt sich der Vergleich zwischen dem angebotenen Preis und dem Rückkaufswert, den der Versicherer bereit ist auszukehren.

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